Reif für die Insel – Die Nordsee lockt bei jedem Wetter

Strand Amrum
Eine typische Szene am Amrumer Strand © Doris Hausen CC BY-NC-ND 2.0

„Oh, Papa! Fliegt der aber hoch!“ Es ist Herbst, die Oktobersonne wärmt den weiten Sandstrand von Sankt Peter-Ording noch so gut sie kann und wir lassen einen kleinen, bunten Drachen steigen. So hoch fliegt er gar nicht, er ist nur ganz mini. Aber ein Mädchen in roten Gummistiefelchen, das mit seinem Papa den vom Salzwasser abgewaschenen Bohlenweg entlang zum Wasser läuft, ist trotzdem tief beeindruckt.

So gern denke ich an diesen Urlaub vor Jahren und an diesen Moment zurück. Wir waren noch Studenten, aber ich habe mir schon damals eben so ein kesses Mädchen gewünscht, mit dem ich an die Nordsee fahren und Drachen steigen lassen kann. Mittlerweile haben wir selbst eine kleine Tochter. Und Eindruck machen mit lustigen Wellen, viel Sand, bunten Förmchen und Touren im Bollerwagen steht auf unserer Urlaubswunschliste für den Sommer 2016 ganz oben! Unser kleines Mädchen ist dann eineinhalb und hoffentlich bereit für den ersten Strandurlaub. Wie viele Sommer ich selbst schon an der Nordsee war – als Kind erst auf Föhr, dann auf Amrum, später auch Herbst- und Wintertage in Sankt Peter-Ording – kann ich gar nicht mehr zählen. Meine erste Urlaubserinnerung überhaupt ist das Anlaufen der Insel Föhr auf einer Autofähre der Wyker Dampfschiffsreederei, die kleinen Hände an der kalten Reling, warm eingepackt in einen hellrosa- gestreiften Regenmantel, über meiner Mama und mir lachende Möwen.

Förmchen, Schaufel und Bollerwagen – viel mehr braucht es nicht, um Kinder im Urlaub an der Nordsee glücklich zu machen.

Für mich beginnt ein Nordsee-Urlaub, sobald ich endlich wieder salzige Luft atmen kann. Egal ob im Zug oder im Auto: Scheibe runter, Nase raus. Auf dem Weg nach Sankt Peter-Ording machen wir das beim Überqueren der Eider bei Tönning. Und fährt man auf die Insel Amrum, kann man die Nordseeluft mindestens eineinhalb Stunden auf der Fähre genießen, mit einem Zwischenstopp in Wyk auf Föhr sogar zwei Stunden. Die Anreise auf die Insel dauert zwar etwas länger, aber die Fahrzeit auf der Fähre ist schon Urlaubszeit für die Eltern und ein Abenteuer für Kinder. Und längere Fahrtstrecke hin oder her: Das Insel-Feeling ist unserer Meinung nach nicht zu toppen. Und wenn man mal weniger Urlaubstage hat? Naja, dann schwappt auch um Sankt Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt die Nordsee fast rundherum.

Förmchen, Schaufel und Bollerwagen – viel mehr braucht es nicht, um Kinder im Urlaub an der Nordsee glücklich zu machen. Unsere liebsten Urlaubsziele im hohen Norden – Amrum und Sankt Peter-Ording – haben Sandkästen bis zum Horizont. Laut Geo gehören unsere Lieblingsstrände zu den Top 10 in Deutschland.

Unsere liebsten Urlaubsziele im hohen Norden – Amrum und Sankt Peter-Ording – haben Sandkästen bis zum Horizont.

Und wenn man mal nicht zum Strand gehen kann? Das kann man doch auch in Matschhose und Gummistiefeln. Der Wind vertreibt dunkle Wolken meist schnell wieder und das Wetter ist oft besser als zu Hause. Auch wenn es einmal regnet, ist die Nordseeluft mild und samtig, sogar im Oktober oder im Februar. Regen- und Sturmtage gehören für mich zu einem richtigen Nordsee-Urlaub auf jeden Fall dazu. Und Pfützenspringen, quietschende Gummistiefel und eine heiße Schokolade – für die Eltern gern auch ein Pharisäer – bringen doch enorm Spaß!

Ich habe die lustigsten Erinnerungen an Schlechtwettertage: Als uns ein Schauer beim Deichspaziergang überraschte, durfte ich als Kind die Regenjacke meines Papas anziehen. So ein dünnes Teil zum Einrollen in eine der Taschen war das, es ging mir bis zu den Knöcheln. Die Schafe auf dem Deich hatten keine Berührungsängste vor der roten Regenjackenkugel. Und mit meinem kleinen Fahrrad bin ich einmal auf dem Deich nicht gegen den Wind angekommen und wir mussten umdrehen.

In Sankt Peter-Ording kann man sich in einem der kultigen Pfahlbau-Café aufwärmen oder in der Dünentherme mit Blick auf die Nordsee entspannen, auf Amrum im Badeland in Wittdün. Und ein Regentag lädt doch auch ein zum Einkuscheln in der Ferienunterkunft, Musik hören, lesen und spielen, wenn man partout nicht an die frische Luft will. Ich bin gespannt, welche Erinnerungen meine kleine Tochter sammeln wird und wir mit ihr.

In der Top 10-Liste findet ihr Tipps für Aktivitäten bei jedem Wetter

  1. Mit dem Bollerwagen die Gegend erkunden, Papa zieht – zu mieten beim Fahrradverleih oder der Strandkorbvermietung.
  2. Gemeinsam eine Sandburg um den Strandkorb der Mama bauen und verzieren und dann gemeinsam im Strandkorb sitzen und Möwen und Wellen lauschen.
  3. Muscheln, Steine und Strandgut sammeln und danach eine Kette oder ein Windspiel für zu Hause basteln.
  4. Einen Leuchtturm besteigen! Der Amrumer ist der älteste in Deutschland. In Westerhever bei Sankt Peter-Ording steht der Leuchtturm aus der Jever-Werbung.
  5. Einen Schiffsausflug auf eine Hallig oder eine Fahrt zu den Seehundsbänken unternehmen, z.B. mit dem „Adler“ ab Tönning  oder ab Amrum mit der „MS Eilun“
  6. Ein kleines Pony mieten und durch die Salzwiesen führen.
  7. An einer geführten (!) Wattwanderung teilnehmen, zum Beispiel in 2,5 Stunden von Amrum nach Föhr. Aber nur mit einem offiziellen Wattführer wie Dark Blome vom Nationalpark. Eine Wattwanderung dürfen Kinder erst ab sechs Jahren machen (im Winter ab 14 Jahren).
  8. Die Tierwelt der Nordsee erkunden – zum Beispiel im Multimar Wattforum in Tönning oder bei einer naturkundlichen Wanderung auf Amrum.
  9. Regionale Köstlichkeiten probieren: Matjesbrötchen, Krabben (am besten selbst puhlen) oder Friesenwaffeln. Lecker!
  10. Einen Drachen steigen lassen – Wind gibt es zu jeder Jahreszeit, nicht nur im Herbst!

Achtung bei Wattwanderungen:

Eine Wattwanderung fernab der Küste sollte von Unkundigen nur in Begleitung eines Wattführers durchgeführt werden, da bei Flut zuerst die Priele geflutet werden und der Rückweg dadurch abgeschnitten werden kann. Wattführer sind über die täglich wechselnden Gezeiten und den veränderlichen Verlauf der Priele informiert und planen entsprechend die Wanderung.

Ob Camping-Bus, Bauernhof, Ferienwohnung oder Hotel – an der Nordseeküste und auf der Insel finden Familien eine große Vielfalt an Unterkünften. Unser Tipp: Das Beach Motel in Sankt Peter-Ording. Denn das coole Surfer-Hotel bietet besonders witzige Details für Kinder. Schiefertafeln zum Beschreiben auf den Zimmern, Hängematten auf der Terrasse, Apfelschäler beim Frühstück – und im Restaurant kann man mit den Füßen im Sand spielen.

Na, habt ihr auch Lust auf die Nordsee bekommen und könnt euch nicht entscheiden? Dann macht es doch wie wir: zweites Frühstück in der Strandperle an der Elbe, Bummel in Hamburg, Zwischenstopp in Sankt Peter-Ording und dann ab auf die Insel. So ist bestimmt für jeden etwas dabei. Dann könnt ihr selbst testen, wo die Drachen am höchsten fliegen!

Wer nicht genau weiß, wo sich die oben genannten Orte befinden, kann sich auf unserer Karte einen Überblick verschaffen:

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