Kinder Kinder, Menschenskinder … Krieg unterm Kastanienbaum

Im Herbst ist wieder Kastanienzeit
Im Herbst ist wieder Kastanienzeit

Sobald sich der Sommer dem Ende entgegen neigt und der Herbst Einzug hält, ist es wieder an der Zeit, mit den Kindern loszuziehen und Kastanien zu sammeln. Seitdem ich das auch mit meiner Tochter machen kann, musste ich allerdings feststellen, dass sich an Kastanienbäumen regelrechte Kriege und grabenkampfartige Situationen abspielen.

aus der Sicht von Papa

Neulich an einem Sonntag sind wir auswärts essen gewesen und auf dem Nachhauseweg durch einen Park spaziert. Überall lagen große, reife Kastanien rum. Allerdings waren wir alle ziemlich platt und hatten nicht wirklich Lust, uns jetzt noch großartig die Taschen vollzustopfen. Da der Park aber auch auf dem Weg zur Kita liegt, habe ich meiner Tochter versprochen, dass wir am nächsten Tag auf dem Heimweg fleißig und ausgiebig sammeln werden.

Knappe 24 Stunden später war es dann so weit: Schnell von der Arbeit zur Kita, den Erziehern Tschüss sagen, Kind anziehen, Kind nochmal anziehen weil es sich wieder ausgezogen hatte und raus zur Tür. Aufs Fahrrad gesetzt und mit heißen Reifen zum – so dachte ich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls noch – reich gedeckten Kastanientisch geheizt.

Im vermeintlich goldenen Land angekommen, zeigte sich jedoch ein ganz anderes Bild: schreiende Kinder, Kinder die mit voller Kraft Fußbälle in die Kastanienbäume schießen, Kinder die mit riesigen (fast baumstammgroßen) Ästen und Stöcken in den Baumkronen herumstochern und mehrere kleine Sammlertruppen, die ihre Beute anscheinend bis aufs Blut verteidigen würden. Es waren jedenfalls einige gut bewachte Frontlinien im Park erkennbar.

Ähm ja, und nun? Da ich meiner Tochter am Vorabend ein Versprechen gegeben hatte und sie nun nicht enttäuschen wollte, musste eine Lösung her. Nicht nur, weil ich mich als erwachsener Mann nicht von den lokalen Kastanien-Gangs verscheuchen lassen wollte, sondern auch, weil ein gebrochenes Versprechen bei kleinen Mädchen im Kita-Alter im schlimmsten Fall einen mehrstündigen Bockanfall auslösen kann. Da ich bereits einen langen Tag hinter mir hatte, wollte ich mir das gerne ersparen.

Challenge accepted! Nach einem mehrsekündigen, sprachlosen Moment, in dem ich die für mich neue Lage erstmal erfassen musste, war eigentlich klar was zu tun ist:

  1. Die eben abgesetzten Fahrradhelme wieder aufsetzen, damit keiner von uns beiden von Stöcken, Bällen oder herunterfallenden Kastanien am Kopf getroffen wird.
  2. Dicht beieinander bleiben und darauf achten, dass niemand verloren geht.
  3. Den Lagern der Gangs nicht zu nahe kommen und erst recht nicht auf die Idee kommen, diese plündern zu wollen. Aber ich bin ehrlich: daran habe ich wirklich gedacht – immerhin bin größer und stärker als die Kinder… Aber diesen Gedanken habe ich dann schnell wieder verworfen, denn es gibt immer einen Vater, der noch größer und noch stärker ist als man selbst 😀
  4. Nicht direkt in eine Frontlinie spurten, sondern da sammeln, wo gerade nicht soviel los ist und lieber die Kastanien nehmen, die die anderen übersehen haben.
  5. Nicht stehen bleiben!
  6. Sich in kurzen Intervallen treffen und die bisherige Beute sicher in Papas Rucksack verstauen.
  7. Rückzug bei zu viel Gedränge und/oder sobald die gewünschte Menge Kastanien erreicht ist.

Wie sich herausstellen sollte, war das ein äußerst guter und effizienter Plan. Die anderen Kinder haben uns kaum bemerkt, haben sich aber gewundert, wo die ganzen Kastanien geblieben sind, die sie eben vom Baum geprügelt haben. Vielleicht hätten sie nicht die ganze Zeit nach oben gucken sollen?

Unsere Ausbeute war trotz der anfänglichen Sprachlosigkeit und der leichten Panik mehr als zufriedenstellend. Mein Plan ist aufgegangen, meine Tochter saß anschließend mit großen, strahlenden Augen in ihrem Fahrradsitz – die Hände voller kleiner Schätze – und der mehrstündige Bockanfall am Abend ist ausgeblieben. Mission accomplished!

In meinem Inneren konnte ich noch den ganzen restlichen Tag dieses diabolische Dr. Evil-mäßige Lachen hören. Muhaha, muhaha!

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veröffentlicht von
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2 Comments

  • Ahahaha, diese diplomatische Papa-Denke hab ich schon voll vergessen! Klasse Post!

    Mein Kastanien Geheimtipp, aber auch schon ein eigener Ausflug wert, ist die Zitadelle Spandau! Da war ich letztes Jahr ziemlich erfolgreich!

    Bestes,
    D

    • Danke für das positive Feedback zum Artikel – als Papa muss man halt kreativ werden 🙂 Und danke auch für den Geheimtipp. Wir werden mal gucken, ob an der Zitadelle auch schon Kastaniengangs unterwegs sind.

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