ultimative Tipps für eine gelungene Bergtour mit Kindern

Ein großes Abenteuer für Kinder: Eine Wanderung in den Bergen © Carolin van Huet
Ein großes Abenteuer für Kinder: Eine Wanderung in den Bergen © Carolin van Huet
* Gastbeitrag *

Für Familien sind die Möglichkeiten der gemeinsamen Freizeitgestaltung vielfältig. Aber es muss nicht immer ein Freizeitpark oder der Strand sein. Wer Lust auf ein etwas anderes Abenteuer mit seinen Kindern hat, sollte unbedingt auch mal eine Wanderung in den Bergen in Betracht ziehen.

Berglandschaften bieten Wanderern nämlich nicht nur atemberaubende Gebirgspanoramen und Aussichten, sondern auch ein großes Spektrum an Tieren, Pflanzen, Seen und Höfen die unbedingt erkundet und entdeckt werden wollen. Außerdem ist die klare und saubere Bergluft ein wahrer Genuss.

Doch so eine Wanderung in den Bergen kann auch anstrengend sein – vor allem, wenn man seine Kinder dabei hat. Es ist nicht immer leicht, seinen Nachwuchs für eine ausgedehnte Bergtour zu motivieren. Damit sie nicht die Lust daran verlieren, sollte man unbedingt auf die Bedürfnisse und Interessen der Kinder eingehen. Die Touren sollten nicht zu ausgedehnt und anspruchsvoll sein.

Auch die Planung, die Ausrüstung und die Verpflegung müssen stimmen. Außerdem muss auf die Sicherheit geachtet werden. Da wir nun aber (noch) keine Bergprofis sind, haben wir jemanden gefragt, der weiß wie es geht. Carolin hat schon die ein oder andere Bergtour mit Kindern hinter sich und es treibt sie immer wieder auf die unterschiedlichsten Gipfel. Auf ihrem Blog Bergzeit nimmt sie ihre Leser mit auf ihre Touren, gibt Tipps zu Routen und stellt tolle Rezepte vor. Carolin hat für die Mannufaktur ein paar Tipps für eine gelungene Wanderung in den Bergen zusammengetragen.

Jetzt heißt es lesen, Zeug packen und ab zur ersten Tour!

Die Tierwelt in den Bergen ist vielfältig © Bergzeitenblog
Die Tierwelt in den Bergen ist vielfältig © Bergzeitenblog

Der Weg war  im Wanderführer als kindergeeignet gekennzeichnet. Konnte ich doch nicht ahnen, dass es nur eine langweilige Forststraße ist. | Macht euch bloß nicht schmutzig! | Auf dem Wegweiser stand, in 2 Stunden sind wir da. Wieso wird es denn jetzt schon dunkel? | Nein, nicht barfuß durch die Wiese laufen, da könnten Zecken sein! | Den Gipfel müssen wir heute noch schaffen, da haben wir doch jetzt keine Zeit, einen Staudamm zu bauen. | Kinder, schaut euch doch mal dieses herrliche Bergpanorama an! | Nee, nix da mit Bergpanorama.

Tolle Aussicht hin oder her. Es gibt so einiges, was sich hervorragend dazu eignet, Kindern ihre Wanderkarriere zu vermiesen. Stattdessen sollte man auf einige Punkte achten, wenn man mit Kindern Ausflüge in die Berge oder einen Urlaub dort plant.

Vorbereitung:

Auf einer Bergtour gibt es viel zu entdecken © Bergzeitenblog
Auf einer Bergtour gibt es viel zu entdecken © Bergzeitenblog
  • Bei der Wahl des Urlaubsortes kann man nicht viel falsch machen. Die meisten Bergregionen und Alpentäler haben sich gut auf die Bedürfnisse von Familien eingestellt. Spielplätze, Erlebniswanderwege, Familienprogramme findet man zur Genüge.
  • Die Ferienunterkunft sollte natürlich familienfreundlich sein. Gute Erfahrungen habe ich mit kleinen Bauernhöfen gemacht, die sich auf Familienurlaub spezialisiert haben. Die Aussicht, abends noch bei Stallarbeit helfen zu können, lässt Kinder oft noch motivierter mitwandern. Außerdem trifft man dort meist auf viele andere Kinder, so dass Spielgefährten sicher sind. Praktisch sind Unterkünfte, bei denen Bergbahntickets, Busse, Schwimmbadeintritte usw. mit im Preis sind. Gerade Seilbahnfahrten gehen nämlich oft ziemlich ins Geld.
  • Ob Funktionskleidung für Kinder unbedingt sein muss, sollte jeder selber entscheiden. Eine Doppeljacke, die aus Regenjacke und Fleece besteht, macht schon Sinn. Trekkinghosen, deren Beine man abzippen kann, sind praktisch (leider bei pupertierenden Mädchen alles andere als cool, wie ich gerade feststellen muss…). Unersetzlich sind aber vernünftige Wanderschuhe mit Profilsohle! Auch wenn Kinder meist trittsicherer sind als wir Erwachsenen, brauchen auch sie einen guten Halt in den Schuhen. Wamdersocken sollten auch sein, bevor eine Blase am Fuß den Spaß in den Bergen verdirbt. Die (leider) nicht billigen Schuhe lassen sich aber oft nach dem Urlaub noch gut z.B. bei nassen oder kalten Wetter nutzen.
  • Einen eigenen Rucksack tragen Kinder oft mit großem Stolz. Beim Anprobieren sollte man ihn mit etwas Gepäck füllen, um zu testen, ob er richtig sitzt und die Gurte gut gepolstert sind. Und vielleicht das Kind mal vorsichtig fragen, was es denn alles für die Wanderung eingepackt hat. Die halbe Stofftiersammlung muss ja nicht unbedingt mit auf den Berg…
  • Für kleinere Kinder, die schon eigenständig sitzen können, bietet sich eine Kraxe an. Oft kann man diese Kindertragen in den örtlichen Sportgeschäften ausleihen. Stundenlanges Tragen geht aber natürlich nicht. Ausreichende Bewegung muss zwischendurch auch sein.

Meine Antiquengel – Tipps

Um Kraft zu tanken, sind Pausen auf Bergtouren enorm wichtig © Bergzeitenblog
Um Kraft zu tanken, sind Pausen auf Bergtouren enorm wichtig © Bergzeitenblog

Um eins vorweg zu sagen: auch der beste Tipp funktioniert nicht immer an jedem Tag. Mal sind die Kinder zu nichts zu begeistern, manchmal haben wir Erwachsenen nicht die Lust, Dauerentertainer zu sein. Und das muss ja auch nicht. Mit einer guten Mischung und ein paar Kompromissen sollte aber jeder Wanderurlaub zu einem Erfolg werden, bei dem alle, ob groß oder klein, zu ihrem Spaß kommen.

  • Genügend Zeit für die Wanderung einplanen! Mit Kindern hält man oft nicht die vorgegebenen Zeitangaben ein. Gerade am Anfang ist weniger mehr. Steigern kann man sich immer noch! Und es ist doch toll, für welche Kleinigkeiten am Wegesrand Kinder sich noch begeistern können!
  • Pausen müssen sein. Meist wollen Kinder dabei gar nicht unbedingt ruhig sitzen, sondern erholen sich beim Spielen.
  • Flexibel bleiben! Der Weg ist das Ziel. Natürlich ist es toll, eine Berghütte zu erreichen oder auf dem Gipfel zu stehen. Die Welt geht aber auch nicht unter, wenn man vorher umkehren muss, weil die Motivation der Kinder nachlässt oder man sich mit der Wegstrecke verkalkuliert hat.
  • Ein Weg muss vor allem eins sein: abwechslungsreich. Geheimnisvolle Waldpfade, Bunte Blumenwiesen, Hüpfen von Stein zu Stein über ein Bachbett, kleine Abenteuer wie mal die Hände einzusetzen, um Felsen zu meistern. Nur bitte kein endloser Forstweg, auf dem es stur geradeaus geht.
  • Wasser fasziniert immer  und zieht Kinder magisch an. Ein Glück, dass es davon soviel in den Bergen gibt! Pausen am Gebirgsbach müssen darum sein. Staudämme bauen, Steine flitschen  oder einen Steinturm in die Höhe wachsen zu lassen, macht Kindern und den meisten Eltern gleichermaßen Spaß. Wege, die von einem kristallklaren Bergbach begleitet werden, bieten sich natürlich besonders an.
  • Eine Wanderung durch eine Klamm oder einen Tobel mit Schluchten und Wasserfällen ist ebenso spannend. Aber auch ein Picknick am Bergsee und das Beobachten von Fischen und Kaulquappen können das Highlight der Tour sein.
  • Überhaupt lassen Tiere eh Kinderherzen höher schlagen. Sei es, die Kuhwiese (ohne Streicheln und Hektik!) zu überqueren, die Tiere, die es auf einer Alm zu entdecken gibt oder das Aufspüren von Gemsen, Murmeltieren und vielleicht sogar dem Steinbock  mit dem Fernglas. Sollte mal schlechtes Wetter sein, hat das den Vorteil, dass Berg- oder Feuersalamander auch tagsüber zum Vorschein kommen.
  • Natürlich lassen sich langweilige Wegpassagen nicht immer vermeiden. Dann können kleine Ratespiele, Erzählen von Geschichten oder Suchaufträge die Stimmung retten. Wenn ich mal keine Lust darauf habe und lieber meine Gedanken schweifen lassen möchte, habe ich einen bei uns sehr gut funktionierenden Spieltipp: einfach Leute, die entgegenkommen oder uns  überholen, zählen. Einer zählt die Männer, einer die Frauen, der andere die Kinder oder die Hunde.
  • Während einer Pause auf einer Bank mit Tiefblicken auf das Tal kann man auch bestimmte Sachen suchen lassen. Das rote Auto, der Trecker auf dem Feld, die Talstation der Bergbahn usw. Das ist wie ein Wimmelbuch in echt!
  • Und ohne ging es bei uns eine Zeitlang gar nicht: das Stempelbuch durfte nie fehlen! Entweder selbstgemacht, meist gibt es aber auch ein Vorgestaltetes aus der Touri-Info. Fleißig werden an allen Almen und Hütten Stempel gesammelt und hinterher z.B in eine Anstecknadel umgewandelt.
  • Eine ganz besondere Erfahrung ist eine Hüttenübernachtung. So bekommt man noch mal einen ganz anderen Eindruck auf die Bergwelt und erlebt einzigartige Naturerlebnisse. Der Deutsche Alpenverein hat in seiner Kampagne „Mit Kindern auf Hütten“ Berghäuser ausgezeichnet, die familienfreundliche Qualitätsmerkmale aufweisen. Für eine Reservierung gerade eines Familienzimmers muss man aber früh dabei und eventuell Mitglied im Alpenverein sein.

Sicherheit in den Bergen

Bei einer Bergtour mit Kindern muss unbedingt auf die Sicherheit geachtet werden © Bergzeitenblog
Bei einer Bergtour mit Kindern muss unbedingt auf die Sicherheit geachtet werden © Bergzeitenblog

Zu diesem Thema gibt es viele ausführliche Bücher und Artikel. Darum möchte ich hier nur einen groben Überblick über einige wichtige Punkte geben.

  • Das Wetter spielt im Gebirge eine wichtige Rolle und kann nicht immer genau eingeschätzt werden. Darum sollte man sich gut beim örtlichen Wetterdienst informieren und bei unbeständiger Wetterlage keine langen Touren, die man nicht abkürzen kann, planen. Oft sind Hütten- und Almbesitzer übrigens die besten Wetterpropheten!
  • Ob man selbst und seine Kinder den Schwierigkeiten und Anforderungen einer Tour gewachsen ist, kann man nur selber und mit genügender Wandererfahrung einschätzen. Darum die Herausforderungen lieber mit der Zeit langsam steigern. War die Wanderung zu lang, lassen Konzentration und Trittsicherheit meist irgendwann  nach, nicht nur beim Kind.
  • Bergauf kann man die Kinder, vorlaufen lassen, damit sie das Tempo vorgeben können. Aber nur, wenn man den Weg sieht oder genau kennt und Gefahrenstellen einschätzen kann. Ich habe es schon oft erlebt, dass der Weg zum Gipfelkreuz ganz einfach war, es dort aber hunderte von Metern steil abwärts geht. Bergab gehen dann je nach Gelände besser die Erwachsenen vor, um schnelles Laufen und Stolpern zu verhindern.
  • Bei nassem Wetter können sich die Wegverhältnisse komplett ändern. Was vorher noch ein leicht zu gehender Pfad war, kann nun zur Rutschpartie werden.
  • Neben der passenden Ausrüstung dürfen Sonnenschutz, genügend Getränke und ein Erste-Hilfe-Set nicht fehlen.
  • Das Thema Zecken ist viel diskutiert. Wer unsicher ist, sollte sich beim Kinderarzt beraten lassen.

Lieber Patrick! Vielen Dank, dass ich auf deinem tollen Blog zu Gast sein durfte! Ich hoffe, deine Leser können den ein oder anderen meiner Tipps gebrauchen und werden demnächst mit ihren kleinen Gipfelstürmern in den Bergen unterwegs sein!

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal bei Carolin für diesen Beitrag bedanken! Wer mehr über Sie und ihre Touren, Rezepte, etc. erfahren möchte, sollte unbedingt mal auf ihrem Blog oder ihrer Facebookseite vorbeischauen. Es lohnt sich!

veröffentlicht von
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